Wildes Wasser

Wir entschieden uns in Kathmandu, dass wir unsere Busfahrt von Kathmandu nach Sauraha (Chitwan Nationalpark) elegant abkürzen könnten, indem wir ein Teilstück im Schlauchboot zurück legen.
Also suchten wir uns in Kathmandu eine Agentur, die Raftingtouren anbot. Es war auch relativ schnell eine gefunden, die genau das anbot, was wir uns vorstellten und das zu einem Preis, den wir bereit waren, auszugeben.

So sollte am Sonntag unsere zweitägige Raftingtour beginnen.

Wir besprachen mit der Agentur, dass sie uns morgens zwischen 6:00 – 6:30 Uhr anrufen sollte, um uns mitzuteilen, wie wir zu unserem Bus, der uns zur Einstiegsstelle bringen sollte, kommen. Um 6:15 Uhr sollten wir an der Straße stehen.
Nach deutscher Manier, waren wir natürlich pünktlich an der Straße und warteten und warteten und warteten.
Um 7:00 Uhr verloren wir dann die Nerven und riefen unsere Agentur mehrfach an, um zu fragen, ob sie uns vergessen hätten. Nur leider ohne Erfolg.

Eine knappe viertel Stunde später klingelte dann unser Handy. Die Agentur teilte uns mit, dass sie Probleme mit dem Fahrzeug hätten, uns nicht abholen könnten und wir am besten ein Taxi zum Busbahnhof nehmen sollten.
Danach lief dann auch alles problemlos.

An der Einstiegsstelle wurden wir von unserem Raftingteam empfangen. Da es irgendwelche Strikes an diesem Tag gab, hatten wir Glück, dass wir überhaupt aus der Stadt raus gekommen sind. Ein anderer Touri, der mit dem Kanu unterwegs war, hatte Pech. Er kam nämlich nicht in die Stadt zurück. So begleitete er uns den Tag über mit seinem Kanu. Wir bekamen einen Guide an die Hand und zwei Lehrlinge, damit sich da Boot besser steuern ließ.

Unser Guide verstand sein Handwerk so gut, dass er genau wusste, wie er welche Stromschnelle ansteuern musste, damit wir ins Wasser fallen oder eben nicht.

Am ersten Tag hatten wir noch kein großes Interesse in das kalte und dreckige Flusswasser zu fallen, also blieben wir wohl ganz und gar nicht trocken, durften aber im Boot sitzen bleiben.

unser-zelt-im-camp

Unser Camp für die Nacht bestand dann aus Zelten, die mit Wellblech zusätzlich überdacht wurden und in denen richtige Holzbetten standen. Luxus pur!!

Abends bekam ich als Geburtstagsüberraschung dann noch ein kleines Ständchen vom gesamten Camp und einen selbst gemachten Bananenkuchen mit den Mitteln, die den Leuten zur Verfügung standen.

geburtstagsueberraschung

Am nächsten Morgen warteten wir dann auf vier weitere Personen, die mit uns raften wollten. Da an diesem Tag eine etwas schwierigere Stromschnelle an stand und es mit mehreren Personen auch einfach viel mehr Spaß machte, waren wir sehr glücklich über die neuen Unterstützer.

Um das warten ein wenig zu verkürzen, konnten wir noch ein kleines Dorf oberhalb unseres Camps besichtigen. Dort trafen dann wirklich gleich Jahrhunderte auf einander. Wir waren gefühlt im Mittelalter angekommen. So sehen bei uns die Häuser in den Freilichtmuseen aus, die wir besichtigen können, um eine Vorstellung von der damaligen Zeit zu bekommen.
Das Dorf bestand aus insgesamt vier Häusern, die Unterschlupf für 35 Menschen boten, keine Ahnung wie!
Die Häuser waren aus Lehm, Stroh und Holz gebaut und auch sonst hatten wir das Gefühl, dass das modernste in diesem Dorf die Keramikfassung der Bodentoilette war.
Und dann standen wir dort, mit unseren Markenschuhen, Smartphones und hochmodernen Fotokameras und verstanden nicht, warum hier die Zeit stehen geblieben ist, wo doch auf der anderen Seite des Flusses eine asphaltierte Straße die zwei größten Städte des Landes mit einander verbindet.

mittelalterdorf

Nach dieser Besichtigung waren wir ganz froh, als unsere neuen Mitstreiter das Camp erreichten und wir wieder ein bisschen in „unserer“ Welt angekommen waren.

Natürlich wurden wir auch an diesem Tag gefragt, ob wir in den Fluss fallen wollten. Keiner von uns war so richtig begeistert von der Vorstellung, aber unser Guide fand es wohl doch ganz spaßig es wenigstens zu versuchen und so landeten wir dann natürlich auch alle mehrmals im Fluss.
Da wir aber zur Sicherheit immer mindestens drei Kanus um uns herum hatten, die uns dann beim Schwimmen halfen, fühlten wir uns jederzeit sehr sicher. Als wir dann eh schon einmal nass waren, fand unser Guide eine tiefe Stelle im Fluss, wo wir perfekt von einer Klippe hinein springen konnten.

Am Nachmittag, als die Sonne schon wieder hinter den hohen Bergen verschwunden war, endete unsere Raftingtour. Da wir ja eigentlich auf dem Weg nach Sauraha waren, bemühte sich unser Guide einen Bus zu finden, der uns dort hin brachte.

Es war auch relativ schnell einer gefunden. Naja, ihr dürft euch jetzt den Bus nicht wirklich als Bus vorstellen. Es ist eher ein Kleintransporter, der für 16 Personen Sitzplätze hat, wenn aber mehr Personen mit möchten, dann werden die halt einfach so lange übereinander gestapelt, bis selbst die Nepali sagen, dass der Bus nun voll ist.

Nach zweieinhalb Stunden hatte diese Fahrt dann endlich ein Ende. Ein großes Problem war für uns, dass wir den Weg nicht kannten und es hier keine Straßenschilder gibt an denen man sich orientieren könnte und wenn es dann doch mal eines geben sollte, dann können wir diese nicht lesen. Auch halten hier die Busse einfach irgendwo, da es hier keine Bushaltestellen gibt. Das hatte zur Folge, dass wir überhaupt keine Ahnung hatten, wo wir wann waren, wann wir aussteigen mussten und wie lange wir noch fahren mussten.
Am Ende der Fahrt wusste dann auch die letzte Person in unserem Bus Bescheid, wo wir hin wollten. Einer war sogar so nett und hat sich, nachdem wir unsere persönliche Endstation gefunden hatten, noch um unser Taxi gekümmert. So kamen wir in tiefster Dunkelheit auch weiter zu dem Touristenort, der von dem Bus nicht angefahren wurde.

Nun sind wir dann doch noch im Chitwan Nationalpark angekommen.

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