Unser Weg durch Mordor

Nach unserer Nacht auf dem freien Campingplatz wussten wir noch nicht so hundertprozentig wohin unsere Reise weiter gehen sollte.

Wir wussten, dass wir zum Tongariro Nationalpark wollten. Jedoch wussten wir nicht, wo wir dort am besten übernachten sollten oder die Wanderungen starteten sollten.

Also führte uns unser Weg erst einmal in Richtung des Nationalparks. In der ersten größeren Stadt hielten wir an der Touristeninformation und erhielten einen hilfreichen Tipp:
Es sei sinnvoll, sich mit einem Shuttlebus zum Startpunkt des „Tongariro Alpine Crossing“ (Wanderweg) bringen zu lassen, anstatt selbst dorthin zu fahren.

Also nutzen wir noch ein wenig das dortige Internet, um uns über Unterkünfte und Shuttlebusse zu informieren. Danach ging unsere Fahrt weiter zum Nationalpark. Wir hatten wunderschönes Wetter und noch genügend Zeit ein paar Wanderungen zu unternehmen.

Am den Tawhai Wasserfällen machten wir dann auch direkt halt.
Es war nur eine kurze Wanderung, aber der Wasserfall war wunderschön. Kristallklares Wasser, eine richtige kleine Oase.

Einen weiteren Wasserfall, die Taranaki Falls, nahmen wir uns für den nächsten Tag vor, da an diesem Tag mal wieder schlechtes Wetter, also Regen und bis zu 55 Km/h Wind angekündigt war. Außerdem sollten die Shuttlebusse an diesem Tag auch nicht zum Startpunkt unserer geplanten großen Wanderung fahren.
Dieser zweite Wasserfall wäre bestimmt auch wunderschön gewesen, wenn wir ihn im Sonnenschein gesehen hätten, aber bei Wind und strömenden Regen, war es einfach ein Wasserfall. Zunächst wollten wir noch ein wenig weiter zu zwei kleinen Seen gehen und uns dabei ein bisschen von der schönen Vulkanlandschaft anschauen.
Da unsere Füße jedoch bereits nass waren und auch meine Regenhose mittlerweile ihren Dienst aufgegeben hatte, entschieden wir uns dazu umzukehren.

Für den nächsten Tag buchten wir unseren Shuttlebus für das „Tongariro Alpine Crossing“. Das soll DIE Wanderung in diesem Gebiet sein.
Es ist eine 19,4 km lange Strecke, die durch den Tongariro Nationalpark führt. Entlang der Vulkane, hinauf zu Kraterseen und wieder hinunter in schöne Wälder.
Auf dieser Wanderung hat man zusätzlich noch die Möglichkeit den Mt. Ngauruhoe zu besteigen.
Das komplette Gebiet diente bei den Dreharbeiten zu den Herr der Ringe Filmen als „Mordor“ Schauplatz und der Mt. Ngauruhoe ist der Schicksalsberg.

Also stand für uns schnell fest, dass dieser Berg auf unserer Wanderung nicht fehlen darf. Das bedeutete noch einmal ca. 600 Höhenmeter zusätzlich, zu den eh schon knapp 900 Höhenmetern.

Die gesamte Wanderung mit Gipfelbesteigung war mit neuneinhalb bis elf Stunden angegeben.
Unser Shuttlebus hatte jedoch die festen Zeiten, dass wir um 7 Uhr an unserer Unterkunft abgeholt werden sollten und um spätestens 4:30 Uhr von dem Ende der Wanderung wieder in Richtung Unterkünfte fahren.
Da wir ja noch ein bisschen durch die Stadt fahren mussten, um andere Gäste abzuholen und dann noch zum Einstieg der Wanderung fahren mussten, bedeutete dies, dass wir schlussendlich 8 Stunden Zeit hatten, für die gesamte Wanderung.
Das sollte ja wohl zu schaffen sein, es waren ja nur eineinhalb Stunden Differenz ;-)

Unsere Busfahrerin gab uns den Tipp, dass wir, falls wir um 11:45 Uhr noch nicht den Gipfel erreicht haben sollten, umdrehen müssen, um pünktlich an der Busstation zu sein.

So starteten wir um 8:22 Uhr unser Rennen zum Schicksalsberg.

Es war gar nicht so einfach die Menschenmassen zu überholen. Unglaublich wie viele Menschen dort unterwegs waren, egal, ob sie dieser Wanderung gewachsen waren oder nicht. Es schien so, als ob jeder Neuseelandbesucher diese Wanderung machen müsste.

Von anderen haben wir erfahren, dass ein paar Tage zuvor diese Wanderung 700 Menschen (nur an diesem einen Tag) gewandert sein sollen.
Wie viele es an unserem Tag waren wissen wir nicht, wir können uns aber nicht vorstellen, dass es weniger Leute waren.
Alleine für uns waren wir jedenfalls nie.
Was auch zu einem Problem führte.

Ich wollte, bevor wir losgingen, noch einmal schnell die Toilette benutzen. Das dachten sich allerdings auch noch dreißig andere Menschen.
Also wurde es nichts mit meinem Gang zur Pipibox. Die zwanzig Minuten, die ich hätte warten müssen, hätten uns vielleicht am Ende gefehlt.
Zwanzig Minuten später sollten aber auch schon die nächsten Toiletten folgen.
Also gingen wir zügigsten Schrittes den Wanderweg entlang, nicht ohne dumme Kommentare von der Seite zu kassieren, wie zum Beispiel, der Run ist eröffnet oder das ist kein Wettkampf, wo es um Geschwindigkeit geht.
Naja, wen die wüssten…
Die zweiten Toiletten sahen dann nicht anders aus, als die Ersten. Also einhalten und weiter geht es.

Und wie ihr euch vorstellen könnt, wurde die Toilettensituation nicht besser. Also versuchten wir einfach alle Flüssigkeit auszuschwitzen.
Um 9:43Uhr standen wir dann am Beginn des Aufstiegs zum Schicksalsberg.

Unser Weg führte uns hauptsächlich durch Schutt und Asche immer in direkter Linie bergauf.  Was bedeutete, dass wir drei Schritte hoch und mindestens zwei wieder runter machten. Hinzu kamen noch all die anderen Leute, die noch vor uns waren oder schon wieder auf dem Weg hinunter. Diese traten immer mal wieder Steine los, die sich ihren Weg nach unten bahnten. Nicht zu vergessen die  Leute, die meinten, dass Sneakers oder Laufschuhe die perfekten Wanderschuhe seien und dieser Gipfel die erste richtige Bergbesteigung sein sollte.

Wir haben dort Leute gesehen, bei denen wir schon im Aufstieg nicht wussten, wie die jemals wieder hinunter gelangen sollten.

Um 11:15 Uhr erreichten wir dann den Gipfel. So dachten wir jedenfalls. Es war eine super Aussicht und es machten dort so viele Menschen halt, dass man sehr gut auf diesen Gedanken hätte kommen können.
Wir erfuhren aber, dass der eigentliche Gipfel gegenüber lag und wir dort einen spektakulären Blick über den Krater des noch aktiven Vulkans hätten.

So machten wir uns auf den Weg, wieder ein Stückchen bergab und im Anschluss daran noch einmal bergauf, um auch diesen Blick auf den Krater zu ergattern.
Es hat sich wirklich gelohnt, wir hätten uns geärgert, wenn wir diese letzten Strapazen nicht auch noch auf uns genommen hätten.

Im Anschluss ging es dann um 11:30 Uhr bergab. Also lagen wir perfekt im Zeitplan.

Schon alleine um den ganzen Menschen, die den Schwierigkeiten dort nicht gewachsen waren zu entgehen, suchten wir uns einen Geröllabhang und fuhren diesen ab.

In dreißig Minuten den Berg hinunter springen vor traumhafter Kulisse, was man sich zuvor in mühevoller Arbeit in eineinhalb Stunden hochgekämpft hatte.

Oder wie Alex sagte: „Es ist wie Skifahren, nur besser.“

Wieder am Wanderweg angekommen, stellten wir fest, dass wir wohl perfekt im Zeitplan lagen. Von der Anstrengung her, hätte es uns nun aber eigentlich gereicht. Blöd nur, dass der Anstieg der eigentlichen Wanderung noch auf uns wartete und wir auch noch knapp 13 Km hinter uns bringen mussten.

Letztendlich hat sich so gut wie jeder Meter dieser Wanderung gelohnt. Die Landschaft dort ist unglaublich und die Farben der Seen einfach atemberaubend.

Nach siebeneinhalb Stunden erreichten wir den Parkplatz, auf dem schon unser Shuttlebus auf uns wartete, um uns zurück zu unserer Unterkunft zu bringen.

Zum Abschluss gab es in unserer Unterkunft noch ein kühles Radler.

Heute wollten wir noch eine kleine Wanderung zum Kratersee des Mt. Ruapehu unternehmen.
Den ersten Halt machten wir an einem Punkt, an dem „Sam und Frodo“ (aus den Herr der Ringe Filmen) das erste Mal nach „Mordor“ schauten.


Ab da ging es bergauf. Zum Glück gab es einen Sessellift den wir für den Abstieg nutzen wollten. Aber auch für den Aufstieg konnten wir den zweiten Lift kostenlos nutzen und so ließen wir uns die restlichen Höhenmeter bergauf fahren.

Es war uns auch ganz lieb, denn die Anstrengungen von gestern hatten in unseren Beinen ihre Spuren hinterlassen.

An der Endstation des Lifts gab es leider keinen Hinweis für Wanderer, die den See sehen wollten. Also folgten wir den Schuhspuren im Schnee und fragten entgegenkommende Bergsteiger, ob sie vom See kommen, wir auf dem richtigen Weg seien und wie weit es noch sei.
Naja, den Name „Weg“ war auch übertrieben. Wir folgten Schuhabdrücken im Schnee bergauf.

Nachdem immer mehr Wolken aufzogen und uns gesagt wurde, dass der See im Moment noch zugeschneit sei, traten wir den Rückweg an.
Wir glauben, dass das auch die beste Entscheidung war. Der Schnee wurde mittlerweile durch die Sonne so aufgeweicht, dass er seine Gletscherspalten frei gab. Als wir dann wieder an dem Lift ankamen, hing der Gipfel in dicken Wolken, sodass der weitere Aufstieg keinen Spaß gemacht hätte und der Abstieg vermutlich schon ordentlich gefährlich geworden wäre.
Also genossen wir die Fahrt im Sessellift herunter und fuhren danach mit unserem Mietwagen weiter Richtung Norden.

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