Über Umwege

Direkt am nächsten Tag fuhren wir über Nacht nach Puno an den Titicacasee.
Auf der Homepage des Auswertigen Amtes lasen wir vorher, dass man Nachtfahrten in Peru vermeiden sollte, da jedoch die für uns am sichersten erscheinenden Gesellschaft nur Nachtfahrten anbot, blieb uns keine Wahl. Die Nacht war dann natürlich wenig erholsam für uns.
Bei jedem Stopp schraken wir auf und vergewisserten uns, dass wir nicht überfallen wurden. Wir waren froh, als wir in den frühen Morgenstunden Puno erreichten (natürlich ohne Probleme) und sogar bis zu unserem Hostel gebracht wurden.
Dort hatten wir erneut Glück, wir konnten bereits morgens um sechs Uhr einchecken und unser Zimmer beziehen.

Eine Stunde später wurden wir dann wieder für eine Titicacasee Tour abgeholt.

Als erstes standen die Floating Island auf dem Programm.
Das sind mehrere kleine schwimmende Inseln die ausschließlich aus Schilf und Stroh gebaut wurden. Die Häuser und Boote sind ebenfalls aus Stroh.
Sehr beeindruckend, was die Menschen hier geschaffen haben.

Floating Islands im Titicacasee

Danach sind wir noch zu einer anderen Insel gefahren, um dort die Landschaft und das Volk etwas besser kennen zu lernen. Das war ganz nett, aber nicht mehr ganz so beeindruckend. Hier sah es für uns so aus, wie die restliche Umgebung vom Titicacasee.

Abends wurden wir wieder zurück zu unserem Hostel gebracht und am nächsten Morgen wieder abgeholt, um über die bolivianische Grenze nach Copacabana zu fahren.

Bis zur Grenze verlief unsere Fahrt auch unproblematisch. Auch der Grenzübergang an sich war kein Problem. Die acht Kilometer Straße von der Grenze bis zur Stadt waren jedoch von Demonstranten gesperrt worden.
Wir hatten mit unserer Busgesellschaft Glück, denn uns wurde ein Boot zur Verfügung gestellt, sodass wir die restlichen Kilometer über den See zurücklegen konnten.
Andere Reiseagenturen taten dies nicht, da mussten die Passagiere dann mit Sack und Pack auf Wanderschaft gehen.

Da es an der Grenze keinen Anlegesteg für Boote gab, war das Aufsteigen schon ein bisschen kompliziert, da uns die Bootscrew mit dem Gepäck half, war es gut zu meistern.

Beim Aussteigen gab es dann schon mehr Probleme.
Eigentlich war es unproblematisch. Wir haben an einem Steg gehalten und mussten nur vom Boot auf den etwas höher gelegenen Steg kommen.
Mein Problem war hier, dass der Steg etwas überfüllt war, wir keine Hilfe mehr mit unserem Gepäck bekamen und die Leute von hinten drängten.
So hing ich mir meinen schweren Rucksack über die rechte Schulter und den kleineren leichteren Tagesrucksack nahm ich in die linke Hand.

Als ich dann den Schritt auf den Steg machte, verlor ich mein Gleichgewicht und fiel mit meinem Rucksack vom Steg herunter. Mein Rucksack landete auf der Außenkante des Schiffs, sodass ich mich daran festhalten konnte und nicht ins Wasser fiel.
Andere Passagiere halfen mir wieder auf die Beine und auf den Steg und im Anschluss dachte sich die Crew vielleicht doch den restlichen Passagieren mit ihrem Gepäck zu helfen.
Ich habe zum Glück nur leichtere Abschürfungen am rechten Bein davon getragen…

Da die Bootsfahrt jedoch viel länger dauerte als ursprünglich angedacht war, lohnte es sich für diesen Tag nicht mehr zur Isla del Sol zu fahren.
So checkten wir in unserem Hostel ein, freuten uns über die günstigen Essenspreise und versuchten früh schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen ließen wir uns viel Zeit und konnten mittags dann zur Isla del Sol fahren, um dort eine kleine Wanderung zu machen.
Für uns sah auch diese Insel nicht anders aus, als der Rest, aber noch einmal eine kleine Bootsfahrt über den Titicacasee gemacht zu haben war auch ganz schön.

Isla del Sol

Im Anschluss ging es dann nach La Paz.
Wir fuhren bereits in der Dunkelheit durch die Vororte von La Paz.
Vermutlich sieht es in der Dunkelheit noch viel schlimmer aus, aber die durch Steine blockierten Straßen und die brennenden Müllberge erinnerten uns ein wenig an die Bilder aus Kriegsregionen.
Wir waren froh, als wir endlich die zahlreichen Lichter der Stadt erblickten.

Passiert ist hier natürlich auch nichts, aber besonders wohl fühlten wir uns nicht.

Gersten Morgen beim Frühstück erfuhren wir dann, dass es nicht sicher ist, ob wir abends nach Uyuni fahren können.

Minenarbeiter streiken im Moment in Bolivien für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn und sperren dabei die Hauptverbindungsstraße in Richtung Uyuni.
Vorgestern ist die Lage dann wohl eskaliert. Die Polizei erschoss zwei Demonstranten, während die Minenarbeiter mit Dynamit warfen.
Die Bilder in den Nachrichten zeigten keine normale Demonstration. Selbst Bolivianer, mit denen wir sprachen, bezeichnen diesen Zustand als Bürgerkrieg.
Unsere Busagentur machte uns jedoch Mut.
Sie meinte, dass sie die letzten zwei Tage über eine alternative Route nach Uyuni ohne Probleme gefahren sei. Ob sie jedoch heute fahren könne, wisse sie erst eine Stunde vor Abfahrt.
Also ließen wir unser Gepäck im Hostel und erkundeten ein wenig den Regierungssitz Boliviens.
Wir halten diese Stadt für nicht wirklich sehenswert.
Sie ist laut, dreckig und stinkt.

La Paz
Wir sind froh, dass wir um acht Uhr die Nachricht bekamen, dass der Bus auch heute über die alternative Route fahren kann.

Die Fahrt war dann auch abenteuerlicher, als wir erhofften.
Irgendwann wurden wir wach, weil unser Bus stark auf der Autobahn bremste. Nach einem kurzen Stopp fuhren wir einfach durch einen Graben auf die Gegenfahrbahn und setzten dort unsere Fahrt weiter fort. Auf unseren Spuren standen bereits die LKWs wegen der Straßenblockaden. Als unser Bus auf der Gegenfahrbahn dann auch nicht weiter fahren konnte, fuhren wir zurück auf unsere Fahrbahn und weiter auf eine Schotterstraße, oder dass was die hier Schotterstraße nennt.

Auf dem weiteren Weg mussten wir immer wieder an Straßensperren halten, die Gepäckstücke durchleuchten lassen und fremde Personen (keine Polizisten) gingen durch unseren Bus, um was auch immer zu kontrollieren.
Wir waren froh, als wir heute Morgen ohne Probleme in Uyuni angekommen sind.

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