Tödliche Straße

So machten wir uns gestern auf die paar tausend Kilometer in Richtung Perth zu fahren.
Bis zum nächsten größeren Dorf wären es 1600 km, sagte uns unser Navigationsgerät.

So begann die Fahrt morgens um halb neun ins Nirgendwo.

Wir wechselten uns beim Fahren regelmäßig ab. Da wir gefühlt insgesamt entspannter geworden sind, war das viele Fahren wohl immer noch sehr anstrengend, aber die Langeweile hielt sich in Grenzen.
Ich konnte Berichte schreiben und Fotos sortieren, Alex uns über die Neuigkeiten in der Welt aufklären.


Als wir uns über die Straße informierten, wurde uns immer wieder gesagt, dass dort reges Treiben los sein soll. Es hörte sich so an, als ob wir quasi öfters im Stau stehen könnten.

Naja, die Realität sah dann eher so aus, wie wir es erwartet hatten. Es kamen uns immer mal wieder ein paar andere Auto- oder Lkw-Fahrer entgegen, aber es war insgesamt so wenig los, dass man sich beim Vorbeifahren grüßte.
Als geübte Ruhrgebietsfahrer war diese Straße schon eher ein Paradies.
Wir konnten durchgehend 110 km/h fahren (mehr ist hier nicht erlaubt), ohne uns Gedanken über Berufsverkehr, Ampel und Baustellen machen zu müssen.
Spätestens alle 20 km wartete der nächste Parkplatz, häufig sogar mit Picknicktischen, auf uns und zu unserem Glück war der größte Abstand zwischen den Tankstellen nicht weiter als 220 km. So mussten wir im Vorhinein keinen Ersatzbenzinkanister kaufen. Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass wir an jeder Tankstelle hielten und den Wagen wieder auffüllten.

Irgendwo im Nirgendwo hatten wir dann sogar Glück und kamen an ein paar schönen Aussichtspunkten vorbei. Hier hatten wir großartige Sicht auf die Steilküste Australiens und konnten uns zusätzlich ein wenig die Beine vertreten.


Durch diese vielen Kilometer befuhren wir natürlich auch verschiedene Zeitzonen. Dies hatte zur Folge, dass wir am Ende anfingen, an jeder Tankstelle zu fragen, wie spät es denn sei und wann die Sonne untergehe.
Wenn wir nämlich eins unbedingt vermeiden wollten, dann in der Dämmerung oder Dunkelheit über diese Straßen zu fahren.
Nicht nur, weil es auch von unserem Autovermieter verboten war, aber auch, weil die Straße eh schon einem Känguru Friedhof glich.
Wir hatten Glück und sahen heute Morgen auch mal ein lebendes Känguru über die Straße hoppeln, aber ansonsten haben wir alle paar Kilometer Kängurus sehen müssen, die es nicht geschafft haben, die gefährliche Straße heil zu überqueren. Da die Kängurus vor allem in der Abend- und Morgendämmerung zu sehen sind, ist zu dieser Zeit auch das Autofahren am gefährlichsten. Sodass wir versuchten, diese Zeiten so gut wie möglich zu vermeiden.

Heute Morgen hat es dann nicht ganz so gut funktioniert.
Wir fanden gestern einen schönen freien Campingplatz, etwas abseits der Straße, mit freien Toiletten und genügend Platz, um sich einen ebenen Untergrund zu suchen. Da es aber nach neuer Zeit noch gar nicht so spät war, beschlossen wir nach unserer alten Zeit zu leben, uns etwas zu essen zu machen und dann ins Bett zu gehen. So sind wir dann heute Morgen nach unserer alten Zeit um 7:30 Uhr aufgestanden, nach dortiger Zeit 5:45 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auf den Weg vorsichtig die restlichen 550 km der 1600 km zu fahren, um hoffentlich lebende Kängurus zu sehen.
Eines haben wir dann auch gesehen. Zunächst stand es am Straßenrand und als wir uns näherten hüpfte es fröhlich auf die Straße und schaute uns an. Wir bremsten und ließen das Warnblicklicht aufleuchten. Als wir uns dann mit geringer Geschwindigkeit näherten, hüpfte es fröhlich weiter. Insgesamt geschah das jedoch alles so schnell, dass wir keine Zeit für ein Foto hatten.


Danach durften wir die längste gerade Straße Australiens befahren. Ein 146,6 km langes schnurrgerades Stück. Nicht, dass die Straße zuvor kurvenreich gewesen wäre und auch die meisten Kurven, den Namen noch nicht so richtig verdient hatten, aber ja, wir mussten das Lenkrad unseres Vans mal bewegen.


Um 11 Uhr nach neuer Zeitrechnung erreichten wir das erste größere Dörfchen. Unglaublich, wir hatten schon 550 km hinter uns gelassen und trotzdem lang noch der gesamte Tag vor uns.

Wir fuhren noch 200 km weiter in Richtung Süden nach Esperance, um von dort aus unsere nächsten Tage zu planen.


Unglaublich was man plötzlich alles schafft, wenn der Tag gefühlt 26 ½ Stunden hat.

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