Mitternachtssonne

Am Freitag starteten wir unsere Fahrt von Dawson City nach Inuvik.

Das bedeutete 736 km auf Schotterpiste zu fahren, ohne zu wissen, wie das Wetter wird und die Straßenverhältnisse sind.

Unser Tagesziel war der Tombstone Nationalpark, diesen erreicht man ca. 74 km auf dem Dempster Highway.

Dempster Highway Beginn

In der dortigen Touristeninformation informierten wir uns, welche Wanderungen dort lohnenswert seien.
Nach einer netten und guten Beratung stand für uns fest, dass wir schnell unser Zelt aufbauen, danach bei einer Wanderung unsere Beine vertreten und am nächsten Morgen bei einer geführten Wanderung mitmachen wollten.

Es kam jedoch anders, als erwartet.
In einem kleinen Wintergarten vor der Touristeninformation saßen drei Mädels, die wir eigentlich nach Wechselgeld für den Campingplatz fragen wollten, doch bevor wir überhaupt fragen konnten, wurden wir auf einen Kaffee eingeladen.
Da es regnete, verschoben wir unsere Pläne etwas nach hinten, hockten uns zu ihnen und kamen so gut ins Gespräch, dass wir erst eineinhalb Stunden später mit unserem Kaffeekränzchen fertig waren.
Wir unterhielten uns unter anderem über das Buch „Into the Wild“ und dass es einen drei Tagesmarsch zum, im Buch beschriebenen Bus gibt.
Es soll kein richtiger Weg sein und er soll nur mit GPS Koordinaten zu finden sein, aber in einer größeren Personengruppe sei es erfolgsversprechender den Bus zu erreichen.
Wir waren alle direkt begeistert von der Idee den Stampede Trail zum Bus gemeinsam zu gehen.
Problematisch war, dass unsere momentane Wege in verschiedene Richtungen führten.
So verabredeten wir uns für den kommenden Mittwoch am Campingplatz des Denali Nationalparks, um von dort aus gemeinsam zu starten.

Nun stand für uns fest, dass wir schneller reisen mussten, als wir uns vorgenommen hatten. Wir hatten plötzlich Zeitstress…
Also ging es am diesem Tag nicht mehr auf eine Wanderung, sondern um sechs Uhr zurück ins Auto um noch 300 km Schotterpiste hinter uns zu bringen.

Um kurz vor elf Uhr kamen wir dann an unserem neuen Etappenziel Eagle Plaines an.
Dort wollten wir auf dem Campingplatz unser Zelt aufstellen und am der Tankstelle unseren Tank auffüllen. Die nächste Tankstelle sollte erst 200 km später kommen. Das wäre spritmäßig wirklich eng geworden.
So versuchten wir im dortigen Hotel den Campingplatz zu bezahlen.
Leider wurde zuvor ein Grizzlybär in der Nähe gesichtet, so dass der Campingplatz für Zelt geschlossen hatte.
Die Zimmer des Hotels waren unserem Geschmack nach eine Spur zu teuer und die Tankstelle hatte natürlich auch schon geschlossen.
So blieb uns nichts anderes übrig, als uns ein windgeschütztes Örtchen auf dem Hotelparkplatz zu suchen, um die Nacht im Auto zu verbringen.
Naja, erholsam ist anders, aber wenigstens kostenlos ;-)

Nach dem Tanken am nächsten Morgen ging es die letzten Kilometer Richtung Inuvik.
Natürlich nicht, ohne zwischendurch stehen zu bleiben und Fotos zu schießen.

Den ersten Stopp machten wir, als wir den nördlichen Polarkreis überquerten.

Aussichtspunkt am Polarkreis

Ab hier sollte es also gar nichts mehr dunkel werden.

Der zweite Stopp war an der Grenze vom Yukon zum Northwest Territories.

Grenze zwischen Yukon NWT

Anschließend gab es noch einige weitere Fotostopps um zu versuchen die Schönheit der Natur festzuhalten.

Dempster Hwy und Natur

Schon alleine der Anblick der Natur in diesem Gebiet war so unwahrscheinlich schön, dass sich die 736 km Schotterstraße so schon gelohnt haben, egal ob Inuvik nun schön ist, oder nicht.

In Inuvik machten wir nun auch unsere erste positive Erfahrung mit Airbnb.
Wir reisten einen Tag zu früh an, was überhaupt kein Problem war und wurden, wie selbstverständlich zu einem BBQ am nächsten Abend eingeladen.
Wir erkundeten gestern jedoch zuerst einmal ein bisschen das Städtchen. Außer einer Iglu Kirche und einem 25 m Schwimmbecken hat dieses Dorf nicht viel zu bieten.

Die Iglukirche in Inuvik

Also gingen wir eine Runde Schwimmen und waren so pünktlich wieder in unserer Unterkunft, dass wir hofften, unserer Gastgeberin bei den Vorbereitungen für das BBQ noch helfen zu können. Leider war schon alles vorbereitet.
Es war eine super Erfahrung ein richtiges kanadisches BBQ mitzuerleben. Unsere Gastgeberin hatte noch acht Freunde von sich eingeladen, die sich untereinander auch nicht alle kannten, so dass wir kaum auffielen. Es war ein lustiger bunter Haufen und super leckeres Essen. Herrlich!!

Verrücktes Wetter hier oben am arktischen Meer.
Gestern haben wir noch bei 19 Grad gerillt und heute Morgen sind wir bei einem Grad und Eisregen von dort losgefahren, in der Hoffnung die 736 km Schotterstraße an einem Stück hinter uns zu bringen.
Auf dem Weg Richtung Inuvik sind wir natürlich auch wieder an wilden Tieren vorbei gekommen :-)

Grizzlybären am Straßenrand

Rentiere auf der Straße

Nach nun insgesamt 1474 km Schotterstraße sieht ein neues, weißes Auto auch gar nicht mehr so neu aus. Vielleicht sollten wir noch ein paar Euro in eine Waschstraße investieren, bevor wir das Auto wieder in Anchorage abgeben…

Dempster Highway Ende

2 thoughts on “Mitternachtssonne”

  1. Cool, nur cool, was ihr erlebt! Ich bin neidisch! Weder Patagonien noch Alaska hätte ich auf meiner Liste gehabt, nun stehts drauf! :-)

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