Kastendenken

Mittlerweile sind wir wirklich in Nepal angekommen, so wie wir es uns vorgestellt haben.

Die Tropen und Reisfelder haben wir gefühlt schon lange hinter uns gelassen, auch wenn wir sie erst vor ein paar Tagen verlassen haben.

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Wir sind auch schon auf 3500m und das Erstaunlichste ist, dass in den Alpen auf dieser Höhe schon Gletscher liegen würden und wir hier sogar noch vereinzelte richtige Laubbäume sehen und durch Nadelbaumwälder laufen.

Alles etwas verschoben.

Die Sicht auf die hohen Berge der Anapurna Gruppe ist zu einem täglichen Begleiter geworden, auch dank des umwerfend guten Wetters. Die letzten zwei Tage hatten wir bis zum Nachmittag keine einzige Wolke am Himmel, was sich bei mir in Form von Sonnenbrand auch direkt bemerkbar machte.

Jedoch haben wir auch auf der Höhe von 3500m nicht wirklich das Gefühl, den Gipfeln ein wenig näher gekommen zu sein.

Auch wenn sich die 8000er noch vor uns verborgen halten, die 4000m, die die weißen Riesen noch majestätisch in die Höheragen, sind höher, als ich je einen Berg in die Höhe ragen haben sehen.

Erschreckend ist jedoch, wie schnell wir uns an den Anblick dieser Eisriesen gewöhnt haben.

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Etwas schwieriger war es, sich daran zu gewöhnen, dass jeden Morgen zwei gut gelaunte Nepali schon fast Hufe scharrend auf unser Gepäck warten, um es endlich von A nach B tragen zu dürfen.

Interessent ist mit zu erleben, wie hier noch in Kasten oder Schichten gedacht wird.

Wir werden hier quasi wie Könige behandelt, unser Guide ist unser Diener und er hat seine zwei Laufburschen.

Wenn unser Essensplatz dreckig ist, wird direkt unser Träger dazu aufgefordert unseren Platz zu säubern. Wenn wir einen Raum betreten, indem sich gerade unser Guide aufhält, springt dieser direkt auf, lässt alles liegen und versucht uns alles abzunehmen.

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Eine Tasse Tee ohne Wissen unseres Guides zu bestellen, wird fast zu einem unlösbaren Problem.

Unsere Begleiter dürfen auch erst ihre Mahlzeiten zu sich nehmen, wenn wir bereits gegessen haben und wir bestimmen, wann wir essen.

Das allerdings zu ändern, ist eine unmögliche Aufgabe.

Selbst als wir letztes gemütlich mit unserem Guide und Trägern eine Runde Karten spielen wollten, mussten unsere Träger unseren Guide erst um Erlaubnis fragen.

Verrückte Welt!

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Trotzdem würden wir nie in der Himalajaregion ohne Guide und Träger losziehen. Ich würde, wenn ich es mir nicht leisten könnte, dann lieber ein bisschen darauf hin sparen, als ohne zu wandern.

Selbst unsere Träger werden so gut bezahlt, dass sie es schaffen durch uns das Schulgeld ihrer Kinder zu bezahlen. Wir ermöglichen somit Kindern eine bessere Zukunft und alleine dadurch, dass wir unser Gepäck nicht selbst tragen müssen.

Leider sehen wir auf unserem Weg viel zu viele Leute, die sich definitiv Träger und Guide leisten könnten, aber nicht wollen.

Mit dem Wissen, dass die Leute sich quasi um den Job als Guide und Träger „prügeln“, haben wir auch kein schlechtes Gewissen mehr…

Heute haben wir unseren ersten und einzigen Ruhetag in Manang.

Wir konnten bis 8 Uhr ausschlafen, danach gab es eine kleine drei stündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt und gleich geht es in eine deutsche Bäckerei zu Kaffee und Kuchen.

Ach, das Leben kann so schön sein….

One thought on “Kastendenken”

  1. Das liest sich alles toll, Nicki! Und die Bilder zeigen wirklich eine andere Welt. Ich wünsche Euch noch ganz viel Spaß auf Eurer Tour. Liebe Grüße auch an deinen Vater!

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