Das ABC eine große Touristenfalle

Seit ich angefangen habe, Bücher von großen Bergsteigern und ihren Taten zu lesen, hatte ich den Wunsch einmal einen der Plätze zu besichtigen, wo all diese Taten starteten. In einem Basislager unterhalb eines 8000 m hohen Berg.

Wir hatten unsere Trekkingtour im Vorfeld so geplant, dass wir sogar gleich zwei Basislager besichtigen sollten, als erste das des Machapuchare und als zweites dann tatsächlich das eines echten 8000 m hohen Berges. Es sollte ins Annapurna Basislager oder auch Annapurna Basecamp (ABC) gehen.

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Am Tag vor unserem Start zum Machapuchare Basislager bekamen wir unser all abendliches Briefing unseres Guides. Als wir ihn dann darauf ansprachen, warum der Machapuchare überhaupt ein Basislager besitzt, da er heilig ist und nicht bestiegen werden darf, verstand er im Anschluss die Welt nicht mehr und für mich brach ein Traum zusammen.

Es wurden aus kommerziellen Zwecken für die zahlreichen Touristen unterhalb des Machapuchare und am Talende vor dem Annapurna Massiv Lodges errichtet und diese Basislager genannt. Mit einem Basislager, so wie ich es mir vorgestellt hatte, dass von dort aus große Expeditionen zu großen Taten starten, gab es an diesen Plätzen nicht.

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Ich wurde ein bisschen getröstet, als ich erfuhr, dass an dem ABC wenigstens früher wirklich Expeditionen gecampt und ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Mittlerweile ziehen es die Extrembergsteiger jedoch vor, etwas weiter entfernt vom ABC ihre Zelte aufzustellen, da sie sich am ABC wohl eher wie Affen im Zoo fühlten.

Irgendwie kann ich das sogar nachvollziehen.
Andererseits versuchen diese sogenannten Elitebergsteiger von ihrem Hobby zu leben und ihre Expeditionen zu finanzieren, indem sie sich im Vorfeld Sponsoren suchen und nach ihren Erfolgen oder Misserfolgen Bücher über ihre Erlebnisse verfassen und Bildervorträge halten. Der Tenor dieser Veröffentlichungen ist häufig, bitte besucht alle dieses wunderschöne und doch so arme Land und lasst ganz viel Geld dort.

Nun verstehe ich aber auch, dass es anscheinend immer auch etwas Kleingedrucktes gibt, nämlich bitte besucht dieses Land, aber bitte lasst die wirklich schönen Plätze dieses Landes für uns Elitebergsteiger, weil eigentlich wollen wir in Nepal mit dem normalen Bergsteiger und Wanderer nichts zu tun haben, es reicht uns, wenn ihr im Anschluss an unsere Reise Geld für unsere Vorträge und Publikationen ausgebt.

Recht unmotiviert startete ich also am darauf folgenden Tag hinauf zum Machapuchare Basislager, immer noch mit einem kleinen Funken Hoffnung, dass wir am nächsten Tag wohl im ABC übernachten, aber tagsüber den wirklichen Platz besichtigen können, wo mittlerweile Basislager aufgebaut werden.

Wir stiegen ein wirklich schönes Tal hinauf und als ich den Gedanken beiseitegeschoben habe, dass es ein Basislager sein soll,  sondern es einfach als eine Hütte in einem tollen Bergpanorama angenommen habe, konnte ich die Aussicht auch genießen.

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Am Abend wurde mein Fünkchen Hoffnung auf ein wirkliches Basislager noch ein wenig weiter getrübt, als uns unser Guide mitteilte, dass er erst einmal im ABC nachfragen muss, ob der Weg nicht zu gefährlich ist.

Am nächsten Morgen nach einer Stunde Aufstieg ins ABC auf 4130m, stand dann endgültig fest, dass das Fünkchen erstickt wurde. Wir müssten dafür die Gletschermoräne queren und hatten keine Gletscherausrüstung dabei. Pech gehabt.

Ein bisschen habe ich meinen Frieden dann allerdings ein paar Meter hinter unserer Hütte mit diesem Land und dem großen Bergsteigern schließen können, als ich noch die Überbleibsel der alten Lager besichtigen konnte, Gebetsfahnen die im Wind wehten, angebracht oberhalb von Gedenktafeln für Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die ihr Leben in diesem Gebiet ließen und es alles ein wenig so aussah, wie ich es mir aus den Erzählungen vorgestellt hatte.

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Im Anschluss bestiegen wir einen ca. 4400m hohen Aussichtspunkt oberhalb des Camps, von dem man eine gigantische und atemberaubende Sicht auf alle umliegenden Berge hatte. Egal ob es nun ein Basislager ist oder für die Touristen nur so genannt wird, das Bergpanorama war schöner, als jedes was wir zuvor gesehen hatten.

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