„Ausleihen“ auf amerikanisch

… und gestern wussten wir noch nicht, was wir berichten sollen…

Heute morgen nach dem Aufstehen, auf dem Weg zum Frühstück gab es ein böses Erwachen. Mein Fahrrad wurde in der Nacht gestohlen.

Unser Zimmer war leider zu klein, um beide Räder, den Anhänger und uns zu beherbergen.
So schlossen wir gestern unsere Räder an dem Treppengeländer unseres Hotels gegenüber unserer Zimmertür an. Erst meines, dann Alex Fahrrad.
Überraschender Weise fehlte am Morgen jedoch meines und nicht Alex Rad, was ja viel einfacher hätte gestohlen werden können. Somit Glück im Unglück, so brauchten wir nur ein neues Fahrrad und nicht noch eine neue Anhängerbefestigung.

Da es jedoch ein netter Dieb war, schloss er Alex Rad mit unserem aufgebrochen Fahrradschloss wieder am Geländer an.

Nachdem wir die Blicke schweifen ließen, ob wir vielleicht irgendetwas Verdächtiges feststellen können (wir kommen halt nicht aus unserer Haut) entdeckten wir eine Überwachungskamera, die den Gang inklusive Treppengeländer filmte.
Wir meldeten unseren Verlust an der Rezeption und da unser Zimmer weit abseits der Straße lag, war für uns klar, dass es jemand aus dem Hotel gewesen sein musste.

Die Dame an der Rezeption konnte uns leider nur vertröstet, dass der Manager des Hotels um 10 Uhr kommen würde und er sich dann die Videoaufzeichnungen ansehen könnte.

Nach einem schnellen Frühstück (der Diebstahl ist uns ganz schön auf den Magen geschlagen) gingen wir los zum Walmart, um mir ein neues Fahrrad zu besorgen.
Laut Rezeptionsdame ist dieser nur 1 1/2 Blocks entfernt, laut Google Maps waren es 3,7 km…

Knappe 1 1/2 Std. später, auf dem Weg zurück zum Hotel, fuhr ein Fahrradfahrer an uns vorbei, der definitiv auf einem zu kleinen Fahrrad für ihn saß und was meinem alten Rad verdächtig ähnlich sah.
Da wir zu Fuß losgegangen waren, hatten jetzt auch nur ein Fahrrad zur Verfügung und weil wir eh nicht wirklich was hätten ausrichten können, wenn wir die Person einbekommen hätten, verfolgten wir ihn in Sichtweite so gut wir konnten. So konnten wir beobachten, dass er denselben Weg wie wir hatte. Er bog am Ende sogar in Richtung unseres Hotels ab und dann war er weg.

Zur großen Überraschung fanden wir mein altes Fahrrad dann vor unserem Zimmer am Treppengeländer gelehnt wieder und einen Mitarbeiter des Hotels, der verdächtig nach dem Fahrradfahrer aussah, den wir verfolgten.

So schoben wir also mein altes und mein neues Fahrrad in die Hotellobby und erklärten dem Manager des Hotels, dass einer seiner Mitarbeiter unser Fahrraddieb sein könnte.

Der Dieb gab gegenüber seines Chefs auch zu, dass er sich das Fahrrad ausgeliehen hätte und es jetzt wieder zurück gestellt habe.

Komisches Ausleihen ist das hier in Amerika, wenn der Besitzer nicht einmal gefragt und dass Fahrradschloss mit einer Zange geknackt wird.

Nun gut, der Dieb hat sich entschuldigt und wir hatten nun drei Fahrräder für zwei Menschen.

Nach Aussage des Hotelmanagers würde der Walmart das Fahrrad zurück nehmen und falls nicht, sollten wir es ins Hotel zurück bringen, dann würde er die Kosten übernehmen und es dem Dieb vom Lohn abziehen.

Außerdem erstattete er uns unsere Übernachtung.

So machten wir uns erneut auf den Weg zum Walmart. Zum Glück gab es beim Umtausch keine Probleme und unsere Fahrt konnte weitergehen.

Was aus dem Mitarbeiter geworden ist, wissen wir nicht. Er befand sich bei unserer Abreise in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Manager. Auf eine Anzeige wurde allerdings verzichtet.

Auf unserem Weg die Ostküste weiter Richtung Süden, kamen wir an einem Aldi Süd vorbei und da wir mittlerweile schon 12:30 Uhr hatten und unser Frühstück nicht ganz so ergiebig war, sprang ich schnell für ein zweites Frühstück hinein.

Alex passte draußen auf die Räder auf.

Der Aldi an sich war nicht wirklich spektakulär. Ich konnte Alex jedoch beim Verlassen des Supermarktes ein echtes, aus Deutschland importiertes Pumpernickel zeigen. Fürs zweite Frühstück war das nichts, aber so hatten wir eine gute deftige Brotzeit. Eine kleine Bifi gab es ebenfalls noch dazu.

Die Strecke heute war auch um einiges schöner und sehenswerter als die gestrige.

Wir fuhren fast durchgehend an Schlössern vorbei. Diese Häuser als Villen zu betiteln, würde ihnen nicht gerecht werden. Dementsprechend sahen auch die Autos aus, die an uns vorbei fuhren. Hier waren Lamborghinis und Jaguars keine Seltenheit und es sind Fahrzeugmarken an uns vorbei gefahren, die so teuer waren, dass wir nicht einmal die Namen der Marken kennen.

Nach gestrigen 60 km und heutigen 70 km Fahrrad fahren, gönnen wir uns morgen einen Ruhetag, um auch Pompano Beach etwas besser kennenzulernen.

Unsere Unterkunft ist auf jeden Fall schon einmal ein Volltreffer. Wir haben genügend Platz für unsere Räder und sogar eine vollausgestattete Küche.
So konnten wir uns nach diesem erlebnisreichen Tag über ein leckeres, frisch zubereitetes Essen freuen. Außerdem brauchen wir morgen nur über die Straße zu gehen und sind am Strand.

So, nun noch schnell unter die Dusche und dann ab ins Bett…

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